Brauchtum in Mützenich:


Hier finden Sie in Zukunft Informationen zum Brauchtum in Mützenich, insbesondere zu:

Jährliche Wallfahrt von Mützenich nach Moresnet! (von Josef Knoblauch)
Nach Feststellung aus alter Zeit ist die Prozession von Mützenich nach Moresnet 1864 zum ersten Mal in eigener Regie gegangen. Bereits Jahre zuvor ist die Prozession von Eicherscheid aus gegangen, der sich die Pilger von Mützenich angeschlossen haben.
Nach der Überlieferung ist im Jahre 1863 die Prozession von Eicherscheid aus einem unbekannten Grund nicht mehr über Mützenich nach Moresnet gezogen.
1864 haben sich daraufhin einige beherzte Männer von Mützenich dazu entschlossen die Prozession in eigener Regie von Mützenich nach Moresnet durchzuführen.

Selbst im Kulturkampf in Deutschland von 1871 - 1878 ist die Prozession unter schwierigsten Verhältnissen durch Feld und Wald unter Umgehung der Städte und Dörfer nach Moresnet gegangen.
Die Wirren der Vor- und Nachkriegszeit führten zu einer Unterbrechung der Prozession von 1939 - 1951.
1939 war die Prozession von Seiten der Polizei mit dem Hinweis auf, wie man es damals nannte, besondere Vorkommnisse am hiesigen Zollamt verboten worden. Die Prozession hatte immer, auch in früheren Jahren, nach allen Vorschriften und Genehmigungen der ausländischen Behörden stattgefunden. Während des Krieges und danach bis 1950 war es durch besondere Devisen- und Passschwierigkeiten nicht möglich die Prozession durchzuführen.
Um die Prozession im Jahre 1951 durchzuführen, mussten alle Teilnehmer auf einem Sammelpass gegen eine Gebühr von DM 2,00 verzeichnet werden. Die Wallfahrt fand, wie es auch in den früheren Jahren üblich war, am ersten Sonntag im Mai statt, und zwar am 05. - 06. Mai 1951. Zu der Prozession hatten sich namentlich 210 Personen angemeldet, von denen dann durch den Ausfall von 3 Personen 207 teilnahmen. Nach dem sakramentalem Segen und anschließender kurzer Erläuterung der Pass- und Devisenbestimmungen konnte die Prozession um 07:30 Uhr unter Begleitung des Pfarrers und 12 Aktiven des Musikvereins ausziehen.
Zur Finanzierung der Prozession wurden im Jahre 1952 von den 250 Pilgern ca. 415,00 DM aufgebracht. Der größte Teil des Geldes wurde für Pässe, Visum und Transportmittel verwendet. Da es nicht zu einer Kostendeckung gekommen war, wurde der Beitrag für die Pilger im Jahre 1953 auf DM 3,00 erhöht und im Jahre 1954 auf DM 1,50 gesenkt. 1954 nahmen an der Prozession 270 Pilger teil.
Heute wie damals wird die Prozession wenn eben möglich vom Pfarrer begleitet. Durch die Begleitung der Prozession seitens des Musikvereins erhält die Wallfahrt einen weiteren festlichen Rahmen.
Für die Ordnung innerhalb der Prozession und das Vorbeten sorgen die Brudermeister, die erstmalig seit dem Jahr 2000 durch eine Brudermeisterin unterstützt werden. Hier ist, wie bei allen ehrenamtlichen Ämtern, der Nachwuchs nur sehr schwer zu bekommen. Auf belgischem Hoheitsgebiet wird die Prozession, neben dem bereits vorhandenen Begleitfahrzeug, möglichst durch Personal und ein Fahrzeug der belgischen Polizei begleitet.
Nach meinen Aufzeichnungen ( seit 1988 ) geht die Prozession in Mützenich mit ca. 90 - 110 Personen los. In Eupen kommen nach der Mittagspause meist noch einige dazu, so dass ca. 100 - 120 Personen weiter in Richtung Moresnet ziehen. Die derzeit gegangene Strecke ist 31km lang.
Sonntags findet um 6.30 Uhr in der Moresneter Kapelle die Heilige Messe statt, die in aller Regel von unserem Pfarrer zelebriert wird. Nach dem Frühstück wird der Kreuzweg gebetet, der seit Ende der 1990er Jahre von unseren Brudermeistern Georg und Ralf Sommer zusammengestellt und verlesen wird, ehe die Prozession (etwa 50 - 70 Personen) Moresnet wieder in Richtung Mützenich verlässt.
Die nächste Moresnet - Wallfahrt findet am 05. und 06. Mai 2012 statt.

Hier noch ein Bild vom 03.05.2009 von der Ankunft der Prozession in Mützenich

Kreuzweg in Moresnet am 01. Mai 2011
[hier klicken zum download]

Wie an jedem Sonntagmorgen unserer jährlichen Wallfahrt betrachten wir auch heute das Leiden und Sterben unseres Herrn Jesus Christus.
Jesus geht seinen Kreuzweg, auch heute - mit uns und allen Menschen, denen ein Kreuz aufgebürdet ist. Mit unseren Texten und Gedanken spannen wir den Bogen auf die Leiden und Missstände dieser Welt. Doch sollen besonders bei den Stationen, in denen Jesus unter dem Kreuz fällt, seine Qualen, sein Leiden im Vordergrund stehen, weil sie das Entscheidende sind. Jesu Weg kreuzt in seinen Stationen unsere eigenen Wege und die Wege der Welt. Haben wir den Mut hinzuschauen und hinzuhören, um Anteil nehmen zu können an dem, was da geschieht. Wir dürfen daran glauben, dass er das, was uns geschieht, mitnimmt auf seinen Weg - und es in die Fülle des Lebens führt. Wir haben während des Kreuzweges Zeit, über Gott, über uns, unser Leben, unsere Nächsten und Mitmenschen nachzudenken, für unsere Anliegen und unsere lieben Verstorbenen zu beten. Sprechen wir hier und jetzt mit Gott, ganz persönlich und still. Er ist hier.
So lasst uns beginnen: Im Namen des Vaters und des Sohnes und des hl. Geistes. Amen.

I. Station: Jesus wird zum Tode verurteilt
[V] Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,
[A] denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

Urteilen: "Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein!" Die Männer halten inne. Die Frau muss doch bestraft werden, gesteinigt. Und dann sagt Jesus so was: "Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein!" Na super!
Einer nach dem anderen lassen sie ihre Steine fallen, denn: Wer ist schon fehlerfrei, wer hat noch nie gesündigt? Jesus verdammt die Frau auch nicht, sondern wendet sich ihr zu: "Sündige jetzt nicht mehr!" Genial, dieser Jesus! Er bringt die Ankläger dazu, umzudenken. Er bringt sie dazu, Mitleid für die Frau zu empfinden, sich also in ihre Situation hineinzuversetzen, was ja ganz wichtig ist, wenn man jemanden beurteilen will. Und vor allem traut Jesus der Frau zu, neu anzufangen.
Wie oft urteilen wir über Andere und wissen doch nichts von ihnen. Und mal ehrlich: wer wünscht sich das nicht - dass jemand kommt und einem eine zweite Chance, einen Neuanfang schenkt.

II. Station: Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schultern
[V] Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,
[A] denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.
In der Passion Christi hat sich der Hass ausgetobt, der Hass der ganzen Menschheit. In der Passion Christi hat des Menschen Schlechtigkeit reagiert auf die Güte, hat sich der Hochmut gereizt entladen angesichts der Demut, fühlte sich unsere Verkommenheit beleidigt angesichts der strahlenden Lauterkeit Gottes! Und so sind wir ... das Kreuz (Gottes) geworden! Wir, die wir uns töricht auflehnen, wir haben mit unseren widersinnigen Sünden das Kreuz unserer Ruhelosigkeit und unseres Unglücks gezimmert: Wir haben unsere Strafe geschaffen. Doch Jesus nimmt das Kreuz auf die Schultern, unser selbst gezimmertes Kreuz, und er fordert uns heraus mit der Macht seiner Liebe. Gott nimmt das Kreuz! Welch unergründliches Geheimnis der Güte!

III. Station: Jesus fällt zum ersten Mal unter dem Kreuz
[V] Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,
[A] denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.
Die Menschen haben ihm das schwere Kreuz auferlegt, die Lasten und Sünden der Welt. Die Last drückt schwer, der Weg ist staubig und steinig, er bricht zusammen. Ist das schon das Ende; das Antlitz Christi unter Schutt, Steinen und Straßenstaub? Er hätte nicht den Glauben an den Vater, ließe er sich vom Straßenstaub, von Steinen oder von Menschen aufhalten.

IV. Station: Jesus begegnet seiner Mutter
[V] Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,
[A] denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.
Wir danken unseren Müttern für alles, was sie für uns auf sich genommen haben. Wahrscheinlich weiß kein Mensch wirklich, was er seiner Mutter - und wohl auch seinem Vater - im Laufe seines Lebens abverlangt und zugemutet hat. Es ist anzunehmen, dass auch die Eltern nicht zu allem gleich ein freudiges Ja und Amen gesagt haben. Oft werden auch sie sich erst zu dem durchgerungen haben müssen, wofür wir ihnen heute dankbar sind. Es wird auch manches gegeben haben, was sie aus Unvermögen oder mangels besseren Wissens ihren Kindern schuldig geblieben sind. Doch auch dies ist ein Teil ihres und unseres Lebens, ein Teil ihres und unseres Weges der Liebe.

V. Station: Simon von Zyrene hilft Jesus das Kreuz tragen
[V] Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,
[A] denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.
Simon von Zyrene, du bist ein kleiner, ein unbekannter Bauer, von dem die Geschichtsbücher nicht sprechen. Und doch machst du Geschichte! Eigentlich hast du eines der schönsten Kapitel der Geschichte der Menschheit geschrieben: Du trägst das Kreuz eines Anderen, du hebst den schweren Balken auf und verhinderst, dass er das Opfer erdrückt. Christus wartet auf uns; daran erinnerst du uns. Er wartet auf der Straße, im Treppenhaus, auf der Krankenstation, im Gefängnis ... in den Randzonen unserer Gesellschaft... Werden wir ihn erkennen? Werden wir ihm helfen?

VI. Station: Veronika reicht Jesus das Schweißtuch
[V] Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,
[A] denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst
"Du bist wirklich ein Engel, danke!" Diesen Satz haben sicherlich viele unter uns schon gesagt oder gesagt bekommen; wenn jemand krank ist oder wir selbst ans Bett gefesselt sind. Oder man erzählt jemandem von einer brenzligen Situation, in der man steckte und heil heraus kam. "Da hast du sicherlich einen Schutzengel gehabt", heißt es dann. Ja - ich glaube es gibt sie. Engel tragen einen auf Händen, heißt es schon in der Bibel. Wenn man einen Engel braucht, wenn man jemanden an seiner Seite braucht, jemanden, der einen vom Unglück oder Schlamassel weg zieht, wenn's einem schlecht geht, dann ist doch meistens so ein Engel da. Erstaunlich, oder? Man sieht sie leider häufig nicht - vor lauter Verzweiflung, Einsamkeit, Wut, Traurigkeit oder Gewohnheit. Aber so bald ein Engel auf der Matte steht, geht ein Licht auf und es wird warm und hell. Ja - es gibt sie: Engel, die einen auf Händen tragen.

VII. Station: Jesus fällt zum zweiten Mal unter dem Kreuz
[V] Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,
[A] denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.
Jesus ist wieder allein, allein mit seiner Not, seiner Erschöpfung, mit seinem Schmerz. Er liegt am Boden, auf ihm das gnadenlos drückende Kreuz der menschlichen Sünden. Um ihn herum nur lieblose Menschen voller Hass. Sie belasten ihn immer mehr, immer neu, bis er nicht mehr kann und zusammenbricht. Er ist allein. Er liegt da unten, er liegt im Dreck. Er ist allein in seinem Todeskampf. Die Meute schweigt.

VIII. Station: Jesus begegnet den weinenden Frauen
[V] Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,
[A] denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.
"Von Beileisbekundungen am Grabe bitten wir Abstand zu nehmen." So liest man immer wieder in Todesanzeigen. Was mag dahinter stecken, wenn Trauernde diese Distanz haben wollen? Vielleicht möchten sie einfach für sich sein in ihrem Schmerz. Oder sich schützen vor Trost, der nur gezeigt und ausgesprochen wird, weil "man das eben so macht". Wirklicher Trost aber nimmt Anteil, begibt sich ein Stück weit in die Sphäre des Leids hinein und ist eben nicht nur ein lapidares auf die Schulter klopfen oder - "na ja, das wird schon wieder". Jemanden wirklich trösten heißt, das Leid, die Trauer wahrnehmen, sie zulassen und mitgehen. Dem Leidenden zeigen, ihn spüren lassen, dass man da ist, mit ihm weinen. Leider ist es oft so, dass schwer Kranke oder Trauernde plötzlich auch noch allein sind. Man zieht sich von ihnen zurück, weil man unsicher gegenüber der veränderten Situation ist, oder man hat Angst vor der Begegnung mit Leid und Tod. Dabei ist Trost doch etwas so menschlich Wichtiges und Schönes.

IX. Station: Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuz
[V] Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,
[A] denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.
Schmerzhafter, ohnmächtiger fällt Jesus zum dritten Mal unter der Last des Kreuzes. Er kann nicht mehr spüren, was am meisten schmerzt - das Holz, schwer auf seinem Körper oder die Wunden der Geißelung. Er hört nicht mehr die Rufe der grölenden Menge, nimmt sie nicht mehr war, dort unten im Straßendreck. Kein Schrei kommt mehr über seine Lippen, die Not klopft an, sein Blick spricht den stummen Ruf: ich kann nicht mehr.

X. Station: Jesus wird seiner Kleider beraubt
[V] Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,
[A] denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.
Kopf, Mund und Herz - darauf drei Kreuze. Mit dem Daumen gemacht an die eigene Stirn, den Mund und das Herz. Das dreifache Kreuzzeichen wird im katholischen Gottesdienst vor dem Evangelium gemacht, also gerade an jener Stelle, wo es immer um Herz und Verstand geht. Nicht nur ein äußerliches Zeichen, es bringt zusammen, was immer zusammen hängt: den Kopf, das Herz und den Mund. Wenn ich mir das Kreuzzeichen an die Stirn mache, dann spreche ich ohne Worte eine Mahnung an mich selbst aus: Achte auf deine Gedanken, sie sind der Beginn deiner Taten. Das Kreuzzeichen auf den Mund mahnt mich öfter still zu sein und dort nicht still zu bleiben, wo Worte helfen. Und wenn ich rede, darauf zu achten, dass mehr gute und wohlwollende Worte aus meinem Mund kommen als schlechte und schädliche. Und beim Kreuzzeichen auf meine Brust erinnere ich mich daran, immer darauf zu achten, echt zu sein, keine Show zu machen, mich nicht zu verstellen, mich in wesentlichen Dingen nicht von außen leiten zu lassen, sondern von meinem Innersten. So oft wie möglich ganz da und selbst zu sein. Zum Beispiel durch drei Kreuze auf Kopf, Mund und Herz. Drei schlichte Signale an die drei wichtigsten Schaltzentralen.

XI. Station: Jesus wird ans Kreuz genagelt
[V] Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,
[A] denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.
Tote zu Tausenden gezählt. Gerade noch in Haiti. Jetzt in Japan. Menschen dahingerafft durch Naturkatastrophen. Kontinentalplatten, die sich aneinander reiben und den Tod bringen. Unendliches Leid, Schmerz und Trauer und Kriege, die scheinbar nie enden wollen oder neu entfachen. Neben dem Klimawandel jetzt auch noch die Angst vor dem atomaren Gau. Was für ein Gott, könnte man fragen, was für eine Schöpfung, in der regelmäßig Zerfall, Katastrophen und Zerstörung herrschen. Man könnte aber auch anders fragen: Ist es nötig, den uns anvertrauten Planeten wegen Rohstoffen fast links zu drehen? Ist es lebenswichtig, den so genannten Urknall nachzuweisen und fremde Planeten zu entdecken oder gar zu besuchen? Ist es unabdingbar, bis in die kleinsten Einzelteile der Materie vorzudringen und deren Atomkerne zu spalten? Ist es unumgänglich, die Gene von Pflanzen zu manipulieren und gar am ungeborenen, menschlichen Leben selbst Hand anzulegen? Es ist der Mensch, der in der Schöpfung herumkramt und seine eigenen Grenzen längst nicht mehr akzeptiert! Doch sich an Gottes Stelle zu setzen, ohne Gott zu sein, ist die dümmste Arroganz, und das gefährlichste aller Abenteuer. Auch an dieser Kreuzwegstation gilt: Nein, sie wissen wirklich nicht, was sie tun.

XII. Station: Jesus stirbt am Kreuz
[V] Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,
[A] denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.
Als die 6. Stunde kam, brach über das ganze Land eine Finsternis herein. Jesus betete für seine Peiniger. Um die 9. Stunde rief er mit lauter Stimme: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Einige, die dabei standen, sagten: Hört, er ruft nach Elija. Jesus aber schrie laut auf. Er neigte sein Haupt, hauchte den Geist aus und starb.
--- Stille ---
Herr Jesus, im Schweigen dieses für uns so heilvollen Abends ist deine Stimme zu hören: "Mich dürstet!" Im Schweigen dieser für uns so heilvollen Nacht ist dein Gebet zu hören: "Vater, vergib ihnen!" Im Schweigen der Geschichte ist dein Schrei zu hören: "Es ist vollbracht." "Du, Herr Jesus, hast uns alles gegeben, du hast uns alles gesagt, du hast uns die schönste Botschaft überbracht: Gott ist Liebe! Gott liebt euch! Im Schweigen des Herzens ist die Liebkosung deines letzten Geschenkes zu hören: "Siehe, deine Mutter!" Danke, Jesus, dass du Maria die Aufgabe anvertraut hast, uns jeden Tag daran zu erinnern, dass der Sinn von allem die Liebe ist: die Liebe Gottes, in die Welt eingepflanzt als ein Kreuz!

XIII. Station: Jesus wird in den Schoß seiner Mutter gelegt
[V] Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,
[A] denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

Eigentlich ist der November der klassische Monat, um an die Verstorbenen zu denken. Da ist es ja auch die meiste Zeit des Tages grau, neblig und dunkel. Ganz von allein wird man melancholisch und schwelgt in Erinnerung. Aber der Tod verliert spätestens an Schrecken, wenn es im Frühling draußen plötzlich wieder grünt und blüht. Jede Narzisse predigt dann auf ihre Weise, dass der Tod nicht das letzte Wort hat, dass das Leben stärker ist als der Tod und dass die ganze Schöpfung vor Lebenslust nur so sprüht. Nun kann ich mir viel besser vorstellen, dass die Menschen, die mir lieb waren und schon verstorben sind, bei Gott wohnen, dass es dort vor Leben überquillt. In jeder Blume, die sich blühend dem Himmel entgegenstreckt, steckt etwas von der Lebenskraft Gottes. Aber auch in den wärmenden Sonnenstrahlen, in den blühenden Bäumen. Und in Erinnerungen an Menschen, die mich begleitet haben.

XIV. Station: Jesus wird ins Grab gelegt

[V] Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,
[A] denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

Aus dem Tagebuch einer Frau:
Staub und Flusen in den Ecken. Unter dem Teppich vereinen sich Tannennadeln und Krümel. Hier und da Spuren von Kinderhänden an Tür und Wand. Auch die gegen das Sonnenlicht stehenden Fensterscheiben bringen es an den Tag: Es ist Zeit für den Frühjahrsputz. Was in den Wintermonaten gemütlich schien und irgendwie behaglich, passt nun (nicht) mehr zum Drang nach Licht, Luft und Draußen. Und mit jedem Zimmer, jedem Regalbrett, das ich von Staub befreite, fühlte auch ich mich leichter und luftiger. Ich freute mich plötzlich wieder an der Wohnung, an den Büchern und Bildern, dem Blick nach draußen und den Vasen, in denen sich das Licht brechen kann. Das Frühjahr mit seinen neuen Lebensimpulsen hatte endlich wieder Platz bei uns zu Hause. Ich habe Raum geschaffen, in unserer Wohnung und dabei auch in mir selbst. Beim Aufräumen und Putzen überträgt sich offensichtlich die körperliche Tätigkeit auf das Innenleben. Mein heimlicher Groll auf die Freundin, die sich Weihnachten nicht meldete, ist verflogen; ich werde sie anrufen. Meine gemischten Gefühle gegenüber den Kindern, die langsam pubertär und nicht nur süß sind, haben einer großen Neugier Platz gemacht. Wie werden sie sich entwickeln? Meine Unlust angesichts neuer Herausforderungen wird verdrängt von einer großen Zuversicht: ich bin ja nicht allein, ich schaff das schon. Insofern passt der Frühjahrsputz in diese Osterzeit. In diese Zeit, wo ich mich neu ausrichte, mich von dem löse, was mich bitter, unbeweglich, unversöhnlich macht. So durchgeputzt kann mit Ostern dann wirklich alles neu werden.
Ehre sei dem Vater...
Gelobt sei Jesus Christus...